Individualpsychologie

Die Individualpsychologie wurde um 1900 von Alfred Adler begründet und von namhaften Psychologen wie Rudolf Dreikurs, Erik Blumenthal und Theo Schoenaker weiterentwickelt.

Alfred Adler

 

 

Prof. Dr. Alfred Adler (1870 - 1937)    
Arzt und Psychotherapeut    
Begründer der Individualpsychologie    

 

   
Die Individualpsychologie gehört zu den tiefenpsychologischen Richtungen, stellt soziale Themen sowie menschliche Beziehungen in den Vordergrund und ist mit ihren Grundannahmen gerade heute wieder hochaktuell. Sie basiert auf der Vorstellung vom Menschen als ganzheitliches, gleichwertiges, zielgerichtetes und soziales Wesen.

Ganzheitlichkeit:

Wie der Begriff „Individualpsychologie" schon deutlich macht, wird der Mensch in dieser Lehre als unteilbares Wesen angesehen (lat. individuum = das Unteilbare). Denken, Fühlen und Handeln gehören zusammen. Entgegen der Psychologie von Sigmund Freud gibt es in der Individualpsychologie neben dem „Ich" kein „Es" oder „Über-Ich", durch die der Mensch gesteuert wird. Der Mensch wird in allen seinen Facetten, mit Körper, Geist und Seele, ganzheitlich als eine Einheit gesehen.

Gleichwertigkeit:

Ein Beispiel aus dem Hotelgewerbe: In einem Hotel arbeiten viele Mitarbeiter mit unterschiedlichen Aufgaben. Der Hoteldirektor macht Werbung, sorgt dafür, dass immer neue Gästegruppen kommen und achtet darauf, dass „der Laden läuft". Er wird genauso sehr gebraucht, wie die Reinigungskräfte, die dafür sorgen dass die Gäste saubere Wäsche und gereinigte Zimmer vorfinden - ebenso wie der Hausmeister, der tropfende Wasserhähne repariert und dafür sorgt, dass die Heizungsanlage läuft. Die Aufgaben sind verschieden, doch als Menschen haben alle den gleichen Wert. Jeder leistet seinen Beitrag. Nach Auffassung der Individualpsychologie entstehen Probleme nicht aus unterschiedlichen Aufgaben, sondern aus sozialer Ungleichwertigkeit heraus.

Zielgerichtetheit:

Der Mensch wird in der Individualpsychologie als zielgerichtetes und Entscheidung treffendes Wesen verstanden. Das Handeln eines Menschen können nur diejenigen verstehen, die das Ziel dahinter erkannt haben. Ziele zu haben bedeutet: ich kann wählen und mich frei entscheiden. Ich kann mir aber auch ganz neue Ziele setzten. Damit bin ich selbstbestimmt. Alfred Adler verabschiedet sich in der Individualpsychologie von der Vorstellung, dass das Leben des Menschen schicksalhaft, vorbestimmt oder von Erbanlagen, Trieben oder anderem gesteuert ist. Er vertritt die Auffassung, dass Menschen ihr Leben bewusst in die eigene Hand nehmen können. Er sieht den Menschen nicht als Opfer der Umstände, sondern als Gestalter seines Lebens.

Soziales Wesen:

Das Menschenbild der Individualpsychologie ist geprägt von dem Vertrauen auf die Fähigkeiten und Stärken des Einzelnen. Der Mensch wird als soziales Wesen angesehen, der diese Stärken und Fähigkeiten zum eigenen und zum Wohle anderer einsetzen möchte. Indem er sich in einer Gemeinschaft einbringt und zum Wohle anderer beiträgt findet er Zufriedenheit und fühlt sich zugehörig. Jeder Mensch braucht Beziehungen, um überleben zu können und er braucht gute Beziehungen zu den Mitmenschen, um glücklich zu sein. Je besser die Beziehungen zu unseren Mitmenschen und uns selbst sind, desto besser ist unsere Lebensqualität.


Mehr zur Individualpsychologie:

www.vpip.de (Verein für praktizierte Individualpsychologie e.V.)
www.adler-dreikurs-institut.de